Blätter: Iran – Das nächste Vietnam?

Behrooz Abdolvand und Nima Feyzi Shandi schreiben in in den “Blättern für deutsche und internationale Politik” in der Ausgabe 04/2007 unter dem Titel „Iran: Das nächste Vietnam?„, einige Zitate:
„Die Meldungen und Gerüchte reißen nicht ab, wonach die Bombardierung der iranischen Atomanlagen in Natans, Arak und Isfahan täglich näher rückt. […]
Kritische Kommentatoren interpretieren die jüngste Verlegung der zweiten US-Flugzeugträgergruppe an den Persischen Golf deshalb als den Versuch, durch Erhöhung der Militärpräsenz einen Konflikt mit iranischen Einheiten anzuzetteln. Dieser könnte der amerikanischen Luftwaffe als Vorwand dienen, die iranischen Uran-Anlagen zu bombardieren. Die meisten regierungsfreundlichen Beobachter vertreten dagegen die Auffassung, dass lediglich eine Drohkulisse aufgebaut werden soll, um die Iraner an den Verhandlungstisch zu bewegen und auf diesem Wege Konzessionen zu erreichen.
[…]
Aus technischer Perspektive sind die Standorte der iranischen Urananreicherungsanlagen für die amerikanische Luftwaffe nicht präzise bestimmbar. Die zur Urananreicherung genutzten Zentrifugen sind kleine und leicht transportierbare Geräte und damit in einem großen Land wie Iran leicht vor Spionagesatelliten zu verstecken.
[…]
Aus politischer Sicht würde ein Angriff auf den Iran unweigerlich gewaltige nationale Eruptionen in der iranischen Bevölkerung hervorrufen. […] Die Stärkung der radikalen Kräfte und das Zusammenrücken der schiitischen Religionsgemeinschaften in Irak, Afghanistan, Saudi-Arabien, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Libanon wären die Folge: Sie alle betrachten den Iran als ihre religiöse Heimat (Om al Ghura). Letztlich droht die Vietnamisierung des gesamten Nahen und Mittleren Ostens.
[…]
Wegen der asymmetrischen Kriegsführung aus der Bevölkerung können die amerikanischen Strategen nicht einschätzen, was nach einer Eroberung des Iran geschehen würde. Anders als im Irak- oder Afghanistankrieg, wo oppositionelle, den Amerikanern wohlgesinnte Gruppierungen existierten, fehlt im Iran jegliche Alternative zur islamischen Regierung, da auch die iranische Opposition einen Krieg ablehnt (abgesehen von bestimmten Splittergruppen).
[…]
Angesichts der dramatischen Entwicklung stellt sich umso mehr die Frage, welche Lösung es für den Konflikt gibt. Da die bisher praktizierten Wirtschaftssanktionen auf lange Sicht ihre Effektivität verlieren werden, weil China und Russland sie vermutlich nicht weiter mittragen, bleibt die Verhandlung der einzig gangbare Weg. Dabei muss der Versuch unternommen werden, Iran durch Integration in das westliche Wirtschaftssystem für sich zu gewinnen. Neokoloniale Methoden sind dafür mit Sicherheit das falsche Mittel. Man sollte nämlich eines nicht vergessen: Die jetzige iranische Regierung ist das Produkt der Revolution von 1979, die ihrerseits die Folge der Einmischung von Engländern und Amerikanern war, nämlich der Ermordung Mohammad Mossadeghs, der Inthronisation des Schahs im Jahre 1953. Weder ein Putsch noch ein Krieg wird deshalb die iranische Bevölkerung davon überzeugen, die Seiten zu wechseln. Auch aus diesem Grund lehnt die iranische Opposition die Einmischung der Amerikaner entschieden ab.“

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