Blätter: Seymour Hersh – Die Brüchigkeit der Demokratie

Anfang der lesenswerten Rede von Seymour Hersh, anläßlich der Verleihung des Demokratiepreises 2007 an ihn:
„Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, mit dem Allerwichtigsten anfangen. Die schlechte Nachricht lautet heute: King George Bush dem Zweiten verbleiben noch 481 Tage an der Regierung. Und die gute Nachricht? Morgen früh, wenn wir aufwachen, wird es ein Tag weniger sein. Hoffnungsträchtigeres hat die gute Nachricht, fürchte ich, nicht zu bieten.
Ich habe hier – gegen meine Gewohnheit – eine ausgearbeitete Rede, doch was sich heute bei den Vereinten Nationen abgespielt hat, erleichtert meine Aufgabe nicht.1 Niemand mag den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, ich ganz gewiss nicht. Er macht eine Menge schrecklicher Fehler. Aber es hat etwas von einer Hexenjagd, wenn alle Welt sich jetzt einfach auf den Iran stürzt, während das Verhalten einer amerikanischen Regierung – die mit Regierungen, die sie nicht mag, nicht einmal spricht – klaglos hingenommen wird. Die Regierung Bush weigert sich, mit der Hamas zu sprechen, sie spricht nicht mit Syrien, sie spricht nicht mit der Hisbollah und sie spricht, wie jeder sieht, nicht mit den Iranern.
Der Irrsinn, das eigentliche Übel besteht aber vor allem in der Unfähigkeit der Welt, der Presse und wichtiger Persönlichkeiten, sich auf dieses Verhalten meiner Regierung zu konzentrieren und es ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Denn dieses Verhalten und nicht die seltsamen Äußerungen eines mehr als seltsamen Iraners, der nicht gar so mächtig ist, sollten als das eigentliche Problem erkannt werden. […]“

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Blätter-Demokratiepreis 2007: Der Sisyphos der Demokratie

Am 26. September 2007 wurde der amerikanische Journalist Seymour M. Hersh in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz mit dem Demokratiepreis der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ ausgezeichnet. Aus der Laudatio auf Seymour Hersh von Hans Leyendecker in der Ausgabe 11/2007 der Blätter:
„Wir haben es hier mit einem Gegner zu tun, der schlimmer ist als die Kommunisten. […] Die wollen uns drankriegen. […] Was ich, ehrlich gesagt, nie bedacht habe, war, wie weit diese Bastarde gehen würden. […] Es ist mir wurscht, wie es gemacht wird. Tut nur, was getan werden muss, um diese undichten Stellen zu stopfen. Ich will nicht hören, warum es nicht möglich ist. […] Ich will keine Ausreden. Ich will Ergebnisse. Ich will, dass es gemacht wird. Um jeden Preis. […] Haltet die heiße Ware unter Verschluss.“
Diesen Auftrag gab Anfang der 70er Jahre der 37. Präsident der Vereinigten Staaten, Richard Nixon, seinen engsten Mitarbeitern; darunter Robert Haldeman und John Ehrlichman. Auch seinen Mann fürs Grobe in der feinen Welt der Diplomatie, Henry Kissinger, schaltete er ein.
[…]
Wir sind heute zusammengekommen, um Seymour Hersh zu ehren, der in diesem Jahr den Demokratiepreis bekommt. Er hat sich die Anerkennung nimmermüde erarbeitet.
Die Furcht vor dem Bastard, der die heiße Ware der Regierenden an die Öffentlichkeit bringt, ist der beste Schutz der Demokratie. Vor Parlamenten fürchten sich manche der Regierenden weit weniger als vor Leuten wie ihm. Als er Mitte der 70er Jahre aufdeckte, dass amerikanische U-Boote Spionagefahrten innerhalb der russischen Dreimeilenzone unternahmen, bestand die Gefahr, dass der Kalte Krieg heiß wurde. Dennoch wollten Rumsfeld und Cheney, die damals im Stab des Präsidenten Ford arbeiteten, das FBI auf ihn ansetzen.
Hersh komme „im amerikanischen Journalismus dem am nächsten, was man einen Terroristen nennt“, hat der Bush-Berater Richard Perle vor ein paar Jahren gesagt. Kann es einen besseren Laudator als Perle geben? Mit seiner offenen Feindschaft adelte Perle den Journalisten. Hersh hatte im „New Yorker“ aufgedeckt, dass Kriegs-Befürworter Perle mit Firmen verbändelt war, die am Irakkrieg gut verdienen konnten. Und der Boss, George W. Bush? Auch er hat Hersh geehrt. Er hat ihn einen „Lügner“ genannt. […]“

Currywurst im Pott

Daß Currywurst nicht gleich Currywurst ist, zeigt sich besonders im Vergleich Berlin vs. Ruhrgebiet. Ist wohl letztlich Geschmackssache, wer die schmackhaftere Wurst anbietet, nicht zuletzt von der Soße abhängig!
„Im Ruhrgebiet und seiner Umgebung wird Currywurst aus Bratwurst hergestellt, ist also nicht gepökelt und geräuchert, aber kräftiger gewürzt. Zum Zerschneiden dient häufig ein Currywurst-Schneider mit mehreren Klingen, der sie mit einer Handbewegung zerkleinert, oder eine an einen Fleischwolf erinnernde Maschine, die mit einem rotierenden Messer arbeitet. Dieser elektrische Currywurst-Schneider wurde 1963 in Radevormwald von Friedhelm Selbach entwickelt, der mit dieser Erfindung den Grundstock für die Friedhelm Selbach GmbH legte.

Die Zugabe von zerstoßenen Chilischoten ist unüblich, für die gewünschte Schärfe sorgt gegebenenfalls Cayennepfeffer. Auf Wunsch wird Schaschliksauce, ein dunkler Bratensaft, der beim Schmoren der meist ebenfalls angebotenen Fleischspieße entsteht, hinzugegeben.

Weitere Varianten der Currywurst sind, speziell im Ruhrgebiet und dem Münsterland, die Jägerwurst und die Zigeunerwurst. Hierbei wird die in Scheiben geschnittene Wurst nicht mit der typischen Currysauce, sondern mit Jäger- bzw. Zigeunersauce serviert.“
via Wikipedia