Blätter-Demokratiepreis 2007: Der Sisyphos der Demokratie

Am 26. September 2007 wurde der amerikanische Journalist Seymour M. Hersh in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz mit dem Demokratiepreis der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ ausgezeichnet. Aus der Laudatio auf Seymour Hersh von Hans Leyendecker in der Ausgabe 11/2007 der Blätter:
„Wir haben es hier mit einem Gegner zu tun, der schlimmer ist als die Kommunisten. […] Die wollen uns drankriegen. […] Was ich, ehrlich gesagt, nie bedacht habe, war, wie weit diese Bastarde gehen würden. […] Es ist mir wurscht, wie es gemacht wird. Tut nur, was getan werden muss, um diese undichten Stellen zu stopfen. Ich will nicht hören, warum es nicht möglich ist. […] Ich will keine Ausreden. Ich will Ergebnisse. Ich will, dass es gemacht wird. Um jeden Preis. […] Haltet die heiße Ware unter Verschluss.“
Diesen Auftrag gab Anfang der 70er Jahre der 37. Präsident der Vereinigten Staaten, Richard Nixon, seinen engsten Mitarbeitern; darunter Robert Haldeman und John Ehrlichman. Auch seinen Mann fürs Grobe in der feinen Welt der Diplomatie, Henry Kissinger, schaltete er ein.
[…]
Wir sind heute zusammengekommen, um Seymour Hersh zu ehren, der in diesem Jahr den Demokratiepreis bekommt. Er hat sich die Anerkennung nimmermüde erarbeitet.
Die Furcht vor dem Bastard, der die heiße Ware der Regierenden an die Öffentlichkeit bringt, ist der beste Schutz der Demokratie. Vor Parlamenten fürchten sich manche der Regierenden weit weniger als vor Leuten wie ihm. Als er Mitte der 70er Jahre aufdeckte, dass amerikanische U-Boote Spionagefahrten innerhalb der russischen Dreimeilenzone unternahmen, bestand die Gefahr, dass der Kalte Krieg heiß wurde. Dennoch wollten Rumsfeld und Cheney, die damals im Stab des Präsidenten Ford arbeiteten, das FBI auf ihn ansetzen.
Hersh komme „im amerikanischen Journalismus dem am nächsten, was man einen Terroristen nennt“, hat der Bush-Berater Richard Perle vor ein paar Jahren gesagt. Kann es einen besseren Laudator als Perle geben? Mit seiner offenen Feindschaft adelte Perle den Journalisten. Hersh hatte im „New Yorker“ aufgedeckt, dass Kriegs-Befürworter Perle mit Firmen verbändelt war, die am Irakkrieg gut verdienen konnten. Und der Boss, George W. Bush? Auch er hat Hersh geehrt. Er hat ihn einen „Lügner“ genannt. […]“

Eine Antwort

  1. […] 25, 2007 von 007 Anfang der lesenswerten Rede von Seymour Hersh, anläßlich der Verleihung des Demokratiepreises 2007 an ihn: “Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, mit dem Allerwichtigsten anfangen. Die […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: