Oswald Spengler: Geschichtsmorphologie

Oswald Spengler, ein deutscher Geschichtsphilosoph, Kulturhistoriker und politischer Schriftsteller, gilt als „Meisterdenker der Konservativen Revolution“ und ein geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus. (Oswald Arnold Gottfried Spengler * 29. Mai 1880 in Blankenburg, Harz; † 8. Mai 1936 in München), via Wikipedia:
Oswald Spenglers „Geschichtsmorphologie“
Hauptthema aller seiner Arbeiten ist seine morphologische Sicht der Welt als Geschichte, die er in seinen dichterischen Werken verarbeitet, und die in seinem philosophischen Hauptwerk als monumental ausgearbeitete Theorie fokussiert wird. Zentrale Thesen bei Spengler sind die Unfähigkeit seiner Zeit, kreativ zu wirken, die daraus folgende Verpflichtung des Bewahrens der von früheren Generationen geschaffenen Kultur, die Bewährung angesichts der politischen Herausforderungen in Zeiten des Verfalls, bei dem der „Blick über die Kulturen hin“ den Weg weisen soll. Erkenntnistheoretisch berief er sich dabei auf Goethe.
Wenn man Spengler als Denker einer zyklischen Geschichtsphilosophie sieht, so muss dabei beachtet werden, dass er nur die äußere Form der Kulturen sich wiederholend sieht, nicht jedoch ihre individuelle Ausprägung.
Wesentlich ist in diesem Zusammenhang die Selbstbewertung seines Hauptwerkes als „kopernikanische Entdeckung im Bereich der Historie, dass in diesem Buche ein System an seine [sc. das ptolemäische System] Stelle tritt, in dem Antike und Abendland neben Indien, Babylon […] eine in keiner Weise bevorzugte Stellung einnehmen.“ (Vgl. auch Historismus.) Entsprechend dieser Sicht stammen von ihm Tragödien zur Wende von der Kultur zur Zivilisation, ein Zivilisationsroman, und der geschichtsphilosophische Solitär Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, der in zwei Bänden erschien, 1918 der erste Band in Wien, 1922 der zweite Band in München.
Das Werk wurde, von den Zeitumständen begünstigt, sehr erfolgreich; bei zeitgenössischen Intellektuellen lässt sich fast immer voraussetzen, dass sie es gelesen haben. Mit den 8 Kulturmonaden (Kernstück seiner Philosophie), die je binnen 1000 Jahren aufblühen, reifen und welken „wie die Blumen auf dem Felde“, konnte er auf positivistisch arbeitende Historiker kaum Eindruck machen, weil seine vergleichende Modellierung der Kulturen einen völlig neuen Ansatz einbrachte. Als Darstellung der Geschichte galt sie den meisten Historikern als unwissenschaftlich.

Rezeption seines Hauptwerks
Spenglers Der Untergang des Abendlandes war eines der erfolgreichsten und umstrittensten Werke, die seit 1918 erschienen sind. Der Titel wurde zum „geflügelten“ Wort. Der Erfolg des Werkes hatte vor allem zwei Gründe: Erstens erschien Der Untergang des Abendlandes zu einem Zeitpunkt, als der im 19. Jahrhundert entwickelte Fortschrittsoptimismus durch den Ersten Weltkrieg zutiefst erschüttert und durch ein umfassendes gesellschaftliches Krisenbewusstsein verdrängt wurde. Das Werk wurde als ausgesprochen aktuell wahrgenommen. Zweitens hatte es den Vorzug, eine unglaubliche Fülle an Daten aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsdisziplinen zu einer Gesamtschau zu verarbeiten. Das Resultat war eine universalgeschichtliche, d. h. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfassende Darstellung der Entwicklung des Abendlandes, die viele Leser zu faszinieren vermochte. Umstritten waren insbesondere Spenglers Methode der „historischen Morphologie“, also seine Herleitung geschichtlicher Analogien, die von der Fachwissenschaft als unseriös betrachtet wurden, sowie die politischen Implikationen, die Spengler mit seiner Vorstellung vom Zyklus der Hochkulturen verband. Außerdem wurde ihm Dilettantismus vorgeworfen.
Spengler selbst bezeichnete sein Hauptwerk als „Metaphysik“. Das hinderte den britischen Historiker Arnold J. Toynbee nicht, ihn zeitlebens zu bewundern. Noch bei Franz Borkenau findet sich eine Spengler sehr ernst nehmende grundsätzliche Auseinandersetzung.
Auch in weiten Teilen der Bildungsschicht, besonders in Deutschland und Österreich (Egon Friedell, Gottfried Benn u.a.), wurde sein Blick auf die Weltgeschichte ernst genommen.
Robert Musil bekannte am Ende einer vernichtenden Kritik, andere hätten nur deshalb nicht so viele Fehler gemacht, weil sie nicht die beide Ufer berührende Spannweite besäßen, um so viele (Fehler) darauf unterzubringen. Er schrieb: „Es gibt zitronengelbe Falter, es gibt zitronengelbe Chinesen. In gewisser Weise kann man also sagen, der Falter ist der geflügelte mitteleuropäische Zwergchinese. Falter und Chinese sind bekannt als Sinnbilder der Wollust. Zum ersten Mal wird hier der Gedanke an die noch nie beachtete Übereinstimmung des großen Alters der lepidopteren Fauna und der chinesischen Kultur gefasst. Dass der Falter Flügel hat und der Chinese keine ist nur ein Oberflächenphänomen!“
Thomas Mann lobte das Werk zunächst emphatisch und schlug es der Jury des Nietzsche-Preises zur Auszeichnung vor. Es sei ein „Buch voller Schicksalsliebe und Tapferkeit der Erkenntnis, worin man die großen Gesichtspunkte findet, die man heute gerade als deutscher Mensch braucht.“ [6]. Schon 1922, als er sich mit der Weimarer Republik zu versöhnen begann, distanzierte er sich von Spengler. Er lobte zwar den literarischen Glanz des Werkes, sprach dem Verfasser aber den humanistischen Pessimismus eines Schopenhauer oder den „tragisch-heroischen“ Charakter Nietzsches ab. Das Werk sei vielmehr fatalistisch und zukunftsfeindlich. „Solche Anmaßung aber und solche Nichtachtung des Menschlichen sind Spenglers Teil…Er tut nicht wohl daran, Goethe, Schopenhauer und Nietzsche zu Vorläufern seines hyänenhaften Prophetentums zu ernennen.“.
Karl Popper hat die Schrift Das Elend des Historizismus gegen Spengler (und Marx) geschrieben, gegen die Annahme, es gebe unabänderliche historische Gesetzmäßigkeiten. Der Sozialist Georg Lukács kritisierte das Werk als eine Position auf der Linie „Von Nietzsche zu Hitler“.
Theodor Adorno verteidigte Spenglers Geschichtsphilosphie gegen die tendenziöse und zum Teil auch bewusst diffamierende Kritik der Nachkriegszeit. Diese sei zu einfach und affirmativ. „Spengler zählt zu jenen Theoretikern der extremen Reaktion, deren Kritik des Liberalismus der progressiven sich in vielen Stücken überlegen zeigte.“ Adorno erkennt Spenglers Voraussicht auf den Faschismus als Cäsarismus als wertvoll an und arbeitet Elemente heraus, in denen dieser es schaffe, zu Wahrheiten über Massenkultur und Parteienorganisation vorzustoßen. Im größeren Teil des Aufsatzes leistet er aber eine grundlegende Kritik an Spenglers Einverständnis mit dem blutigen Lauf der Geschichte: „Nietzsche, dessen herrischen Ton Spengler unablässig nachahmt, ohne auch nur einmal wie Nietzsche vom Einverständnis mit der Welt sich loszusagen …“ Er kommt zu der vernichtenden Kritik: „Spengler und seinesgleichen sind weniger die Propheten des Zuges, den der Weltgeist nimmt, als seine beflissenen Agenten.“

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