Blaetter: Krieg von der Stange – Russland nicht angreifen!

William Pfaff schreibt in den “Blättern für deutsche und internationale Politik” in der Ausgabe 09/2008 unter dem Titel “Krieg von der Stange“:
„Feldmarschall Montgomery hat die ersten drei Grundregeln der Kriegführung einmal folgendermaßen definiert: Erstens „Russland nicht angreifen!“, zweitens „Russland nicht angreifen!“ und drittens: dito. In einer aktuellen Fußnote wäre anzumerken, dass die strittigen Teile Georgiens – Südossetien und Abchasien – zwar heute nicht zu Russland gehören, aber gestern dazu gehörten und es morgen wahrscheinlich wieder tun werden, … […]
Eine vierte Regel könnte so lauten: „Lass dich von niemandem verleiten, Russland anzugreifen.“ Leute, die den georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili in Schutz nehmen, behaupten, die Russen hätten ihre Antwort auf den georgischen Einmarsch in Südossetien lange bevor dieser am 8. August tatsächlich stattfand, vorbereitet, Saakaschwili aber getäuscht. Sie hätten ihn zu der Annahme verleitet, ein Versuch, die umstrittenen Gebiete gewaltsam einzunehmen, würde keine entsprechende Reaktion auslösen. Die „New York Times“ hingegen zitiert einen „hochrangigen amerikanischen Regierungsvertreter“ mit den Worten: „Es sieht nicht so aus, als wäre dies alles im Voraus geplant gewesen. Bis zum Vorabend der Kampfhandlungen schien Russland eine konstruktive Rolle zu spielen.“
[…]“

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Thomas Mann: Deutsche Hörer! (1943)


YouTube-Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=T5t83t6ahHc
1943 – 10 Jahre Nationalsozialismus, „Ein düsteres Jubiläum will begangen sein… Krieg…“
BBC-Reden, Radioansprachen aus dem amerikanischen Exil, 1940 begann Thomas Mann mit der Radiosendung “Deutsche Hörer!”. In monatlichen Abständen ausgestrahlt, siehe auch:
Thomas Mann: Deutsche Hörer! (November 1941)

Blaetter: Kontinent der Chancen

Roger Peltzer schreibt in den “Blättern für deutsche und internationale Politik” in der Ausgabe 08/2008 unter dem Titel „Kontinent der Chancen – Das Ende der weißen Dominanz in Afrika„:
„… Ist der nicht nur von der Bundesregierung proklamierte „Kontinent der Chancen“ also bloß eine große Propaganda-Schimäre der Wohlmeinenden? Handelt es sich nicht vielmehr um den Teil der Erde, wo nach wie vor verfeindete Volksgruppen mit Knüppeln, Macheten, Granatwerfern und Kalaschnikows aufeinander losgehen, um sich wechselseitig zu massakrieren?
Nun ist weder das vorhandene Gewalt- und Hasspotential vermeintlicher „Normalbürger“, noch die Existenz machtbesessener, korrupter und unfähiger Eliten eine Exklusivität Afrikas. Wie Vorurteile und Abneigungen in einem aufgeheizten und polarisierten Umfeld in die Tolerierung oder auch Ausübung von Gewalttaten gegen Nachbarn münden können, ist nicht nur beim Auseinanderbrechen Jugoslawiens deutlich geworden. Wenn in Deutschland „Ausländer“ unter Duldung der zahlreichen Zuschauer durch Straßen gehetzt werden, dann ist das mit den Gewaltexzessen in Eldoret, Nakuru und Kisumu in Kenia zwar nicht vergleichbar. Es zeigt aber, wie schnell das breite Fundament von Konventionen und Institutionen, die in einem zivilisierten Staat wie der Bundesrepublik für das zivile Austragen von Konflikten sorgen, brüchig werden kann. […]“

China ist kein Reich des Bösen!

Selten aber immerhin, ein Interview über das falsche oder einseitige Bild der Politik über China in Deutschland mit Georg Blume (aktueller Buchtitel: „China ist kein Reich des Bösen. Trotz Tibet muss Berlin auf Peking setzen“) in der 3sat Kulturzeit vom 29.07.2008:

„In China passieren auch unheimlich viel tolle Sachen… wenn sie in dem Land leben, begegnet ihnen Hoffnung überall. […] Es ist jedenfalls mehr, als nur eine Diktatur, die von oben herab, alles den Leuten… ihren Alltag diktieren kann. China ist heute ein lebendiges, vielfältiges Land, was, … wo man genau hingucken muß, wie sich die Verhältnisse bei den Menschen entwickeln und nicht einseitige schnelle Urteile treffen kann. […] Ja, ich glaube, viele Chinesen denken, die Menschenrechte in dem Land haben sich erstmal wahnsinnig verbessert, weil sie nicht mehr hungern, weil sie nicht mehr unter Existenznot leiden, wie das ihre Eltern getan haben, und sie gucken weniger auf die bürgerlichen, auf die politischen Freiheitsrechte, … an die wir denken, wenn wir von Menschenrechtsverletzung sprechen. […] Wir sollten aber nicht außer acht lassen, daß sich diese Freiheiten auch in China, auch wenn sie heute den unseren noch nicht entsprechen, unglaublich entwickelt haben. Wir haben heute ein Internet in China, … was eine Öffentlichkeit schafft, eine pluralistische Öffentlichkeit, die es in diesem Land noch nie gegeben hat. Deswegen dürfen wir auf der anderen Seite nicht den Eindruck nun entstehen lassen, das ist alles eindimensional propagandisitsch organisiert hier zu Olympia. …“

Link zum Interview als Video in der ZDF-Mediathek:
http://www.3sat.de/webtv/?080729_blume_kuz.rm
Text: http://www.3sat.de/kulturzeit/specials/124606/index.html
siehe auch:
Titanic Spiele 2008: Chinesen kopieren Olympia!
The Flying Spaghetti Monster in Beijing CHINA

Moscheebau: Pro Frankfurt dafür

Meist liest man von irgendwelchen negativen „PRO“-Stadt-XYZ-Initiative, daß die sich gegen dies und das und in letzter Zeit häufig gegen den Bau einer Moschee, pauschal gegen Islam und Muslime und oft überhaupt gegen Immigranten und Ausländer (weshalb sich neben Rassisten dort gern auch Neo-Nazis tummeln) aussprechen. Allerdings scheint das nicht überall so zu sein. In Frankfurt scheint es eine positive „PRO“-Initiative zu geben, die sich „für eine weltoffene, tolerante und multikulturelle Stadt“ (PRO FRANKFURT) einsetzt und sich auch über eine neue Moschee im Frankfurt Stadtteil Hausen freuen kann:

Pro Frankfurt begrüßt Moschee-Baugnehmigung für Hausen

Mit großer Freude und Erleichterung begrüßt PRO FRANKFURT ausdrücklich die positive Entscheidung der Stadt, die Baugenehmigung für die Hazrat-Fatima-Moschee in Hausen zu erteilen.

Wir begrüßen diesen positiven Bescheid, der ein Signal für ein weltoffenes, multikulturelles und tolerantes Frankfurt ist. Nicht zuletzt wird damit der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit genüge getan.

Diese Entscheidung beweist, daß Mitbürgerinnen und Mitbürger muslimischen Glaubens ihren gleichberechtigten Platz in unserer Gesellschaft haben und willkommen sind.

PRO FRANKFURT
Bürgerinnen und Bürger in Frankfurt
für eine multikulturelle, weltoffene und tolerante Stadt
www.pro-frankfurt.info.ms

Frankfurt am Main, 23. Juli 2008

Blätter: Der Hungergipfel

Armin Paasch schreibt in den “Blättern für deutsche und internationale Politik” in der Ausgabe 05/2008 unter dem Titel „Der Hungergipfel„:
„Niemand wollte diesmal fehlen: Ob Sarkozy, Lula, Ahmadinedschad, Ban Ki-Moon, Annan oder Mugabe – alle wollten sie auf dem Welternährungsgipfel Anfang Juni in Rom ihre Empörung über die Hungerkrise bekunden. Schon vor zwei Jahren hatte die Welternährungsorganisation eine dramatische Zwischenbilanz der Hungerbekämpfung gezogen. Doch damals hatten die Regierungen nur zweit- und drittrangige Vertreter geschickt. Diesmal also kreiste der Gipfel der ganz Großen – und gebar leider nicht mehr als eine Maus.
Wie die Abschlusserklärung zeigt, gilt für die entscheidenden Fragen weiterhin business as usual: mehr Geld für teures Saatgut und Dünger, mehr Nahrungsmittelhilfe und eine weitere Liberalisierung des Welthandels. Zur brennenden Frage der Agrartreibstoffe konnte man sich lediglich auf eine Einladung zu einem “ergebnisorientierten Dialog” einigen, und auch zum Klimawandel finden sich kaum mehr als Allgemeinplätze. […]“

Blätter: Großbürgerlich Grün

Albrecht von Lucke schreibt in den “Blättern für deutsche und internationale Politik” in der Ausgabe 06/2008 unter dem Titel „Großbürgerlich Grün„:
„Wer hätte das gedacht: Nun befindet sich sogar Edmund Stoiber im Lager der Befürworter von Schwarz-Grün. Dabei ist es noch keine fünf Jahre her, dass sein Parteifreund Michael Glos die damaligen grünen Bundesminister Fischer und Trittin als „ehemalige Terroristen“ und „Öko-Stalinisten“ diffamierte. Und dennoch: Überraschend ist das Zustandekommen der ersten schwarz-grünen Koalition nicht. Schließlich handelt es sich dabei um ein Projekt, das spätestens seit 1994 diskutiert wird – seit Antje Vollmer mit den Stimmen der Union und gegen den Willen der SPD zur Bundestagsvizepräsidentin gewählt wurde.
Zu eindeutig sind die strategischen Vorteile, die die beiden Parteien aus Schwarz-Grün ziehen: nämlich Äquidistanz im Verhältnis zu ihren Konkurrenten. Sowohl Union als auch Grüne verfügen jetzt über wechselseitige Koalitionsmöglichkeiten und damit wie SPD und FDP über strategische Alternativen. […]“